Infrastruktur

Auto fahren

Neben dem exzellent ausgebauten öffentlichen Verkehrssystem gibt es auch sehr gut ausgebaute Straßen. So kann man ohne jegliche Probleme morgens von einem Vorort in eine Großstadt hereinfahren und am Nachmittag wieder herausfahren, ohne befürchten zu müssen, in einem kilometerlangen Stau stecken zu bleiben. Selbstverständlich gibt es innerhalb des Zentrums Engstellen, an denen man kurze Wartezeiten in Kauf nehmen muss, es ist allerdings mit keiner Großstadt in Deutschland zu vergleichen, die ich kenne. In und um Helsinki macht das Autofahren noch Spaß!

Allerdings bahnt sich auch hier der Trend zu immer mehr Autos an. Vom Trend her werden die Straßen (in Ballungsräumen) also immer voller, so dass an einigen Stellen bereits mit dem Ausbau von Spuren begonnen wird.

Das Tempolimit ist auf den "Autobahnen" im Sommer auf maximal 120 km/h begrenzt.
Im Winter wird das Tempolimit auf 100 km/h begrenzt.
Auf Schnellstraßen innerhalb der Stadt kann man maximal 80 km/h fahren, außerhalb der Stadt sind dann bis zu 100 km/h erlaubt.
Das eigentlich erstaunliche ist, dass die (meisten) Finnen sich auch daran halten. Natürlich ist der "fließende" Verkehr etwa 10 km/h schneller, als es die Schilder vorsehen, aber das ist in Finnland noch im Toleranzrahmen. Mich hat noch kein Finne mit 140 km/h in einer Baustelle überholt, in der 80 km/h erlaubt sind. Während so ein "Verhalten" in Deutschland eher an der Tagesordnung ist.

Wichtig zu wissen ist, dass im Winter eine Winterreifen-Pflicht herrscht. In Finnland sind Winterreifen mit Spikes erlaubt und werden auch von den meisten Autofahrern eingesetzt. Somit hat man auch auf eisbedeckten Straßen noch einige Kontrolle über das Auto. Zur Sommerzeit ist es verboten, Reifen mit Spikes zu fahren. Die Polizei kontrolliert regelmäßig zu den Jahreswechseln den Reifenzustand und die Reifenart von Autos.

Allgemein fahren die Finnen auch viel entspannter als die Deutschen. Wenn man mal einen Fehler macht, weil man sich nicht auskennt, kann ein Finne, der meinen Fehler erkennt, auch mal auf die Bremse treten und mich einfach vorbeilassen und die zwei Sekunden Verzögerung entspannt in Kauf nehmen. In Deutschland wird ja notorisch erst mal so dicht wie möglich aufgefahren, dann eine Vollbremsung initiiert und zum krönenden Abschluss die Hupe für 10 Sekunden getestet und das Schimpfvokabular trainiert...

Allerdings kann ich auf Finnlands Straßen auch einen starken Trend zum "egoistischen" Fahren feststellen. Während noch vor wenigen Jahren ein japanisches Auto mit vier Rädern und einem Lenkrad der Standard auf finnischen Straßen war, sieht man heutzutage mehr und mehr neue und "schnelle" Autos. Ein finnischer (männlicher) Fahrer sieht es eben nicht als notwendig an, mehr als 5 Meter Sicherheitsabstand auf der Autobahn zu halten und denkt auch nicht daran, ein anderes Fahrzeug vor ihm einscheren zu lassen.

Leider scheinen die Finnen notorische Blink-Verweigerer zu sein. Anstatt zu blinken, wird einfach zügig die Spur gewechselt. Allerdings habe auch ich mittlerweile festgestellt, warum so wenig geblinkt wird. Wenn man im Stadtverkehr die Spur wechseln möchte und zunächst den Blinker setzt, dann gibt das hinter einem fahrende Fahrzeug auf dessen Spur man wechseln möchte, schnell noch Gas, damit man bloß nicht davor einscherrt. Zieht man seinen Wagen dagegen einfach auf die andere Spur rüber, ist die Sache einfacher und schneller geregelt (bitte nicht als Anleitung zum blinkerlosen fahren verstehen ;) ).

Auch die Sache mit dem Reißverschlussprinzip scheint bei den Finnen noch nicht angekommen zu sein. So wird bevorzugt ein 500 m langer Stau auf einer Spur gebildet, anstatt beide Spuren bis zum Ende zu benutzen. Und wehe dem, der die zweite Spur bis zum Ende benutzt... der darf nicht erwarten, einfach mal so reingewunken zu werden.

Die finnische Polizeit ist im Vergleich zur deutschen Polizei besser für Verkehrskontrollen ausgerüstet. So verfügt jeder Streifenwagen über ein Lasergerät zur Geschwindigkeitsüberwachung. Durch das fest installierte Lasergerät kann die Polizei sogar während der Fahrt die Geschwindigkeit von entgegenkommenden Fahrzeugen messen. Auf Landstraßen kann man daher auf plötzlich bremsende Autos treffen, da einem ein Polizeiwagen entgegenkommt. Die meisten Polizeiwagen sind zusätzlich auch noch mit Videokameras ausgestattet.

In Helsinki wurden an Vekehrsknotenpunkten testweise auch Videokameras installiert. Die aufgezeichneten Bilder werden von Beamten komplett durchgesehen und jeder Verstoß, wie z.B. “bei Rot über die Ampel” oder das unerlaubte Benutzen einer Busspur per Busgeld getadelt. Die Stadt Helsinki verschickt mehrere hunderte Bußgelder PRO TAG! Man sollte sich also an die Verkehrsregeln halten, auch wenn man keine Polizei sehen kann.

Fahrrad fahren

Die Finnen gehören zwar nicht zu einer Nation der Fahrradfahrer, allerdings kann man hier selbstverständlich auch viele Radfahrer antreffen. Erstaunlich ist, dass es kein Gesetz gibt, dass eine Beleuchtung am Fahrrad vorschreibt. So gibt es lediglich die “Empfehlung”, das Licht einzuschalten, wenn es dunkel ist. Allerdings halten sich die wenigsten Fahrradfahrer daran. Man trifft auf viele Radfahrer, die im Dunkeln weder mit Reflektoren versehen sind, noch das Licht eingeschaltet haben.

Überraschend ist für mich immer noch, dass weder Wind noch Wetter die Fahrradfahrer abschrecken. So ist es keine Seltenheit, dass man Radfahrer auch noch bei -20 Grad und mehreren Zentimetern Schnee auf den Straßen antrifft. Wer auf Nummer Sicher gehen will, bekommt sogar Fahrradreifen mit Spickes im Handel.

Zebrastreifen

Als Deutscher wird man sich schnell über die (vergleichsweise) hohe Anzahl von Zebrastreifen in Finnland wundern. Allerdings haben diese in Finnland eine andere Bedeutung, als in Deutschland. In Finnland zeigen Zebrastreifen lediglich einen Fußgängerüberweg an. Eine Anhaltepflicht für Autos (wie in Deutschland) gibt es hier nicht. Als Fußgänger sollte man zunächst sicherstellen, dass ein Auto auch wirklich hält, bevor man den Zebrastreifen überquert.

>> Auswandern nach Finnland >>


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